November 28 2017

Swissness und Drogen

es ist windig und kalt, und seit ein paar Tagen Brauche ich geschmolzenen Käse. Gänse fliegen nach Afrika, das ist eben so. Heute kam es endlich dazu. Freitagabend, Wochenende.
Doch es gab Angstmomente. Zum Beispiel, als es in der Wohnung mehrfach dunkel wurde, nachdem der Stecker des “Racletteofens” in die Nähe einer Steckdose (Schlafzimmer, Gang und Wohnzimmer) kam. Oder auch, als ich sah, wie wenig Raclettekäse 426g eigentlich ist. Reicht das für 2 Personen? Oder als sich die Senffrucht-Kirschen als irgendwie nicht so Senffruchtig, sondern eher marzipanartig herausstellten. Aber so ist das Leben im Exil eben, da muss man improvisieren.

Wichtig bei Raclette ist das Setting–> womit wir bei den Drogen sind. Es gibt mehrere Arten, Käse zu verdauen. Mit Hilfe von Schnaps, was in der Regel ein “Kirsch” erledigt. Oder Schwarztee. Geht auch. Und Kümmel (als Gewürz auf dem geschmolzenen Käse)
Raclette isst man in der Schweiz. Berlin ist nicht in der Schweiz. Keine Alpenluft, zuwenig Kühe, alles Scheisse. Das Setting ist nicht passend, die Abwehrkräfte der Inneren Organe sind unvorbereitet. Eigentlich dachte meine Leber, es gäbe wieder sowas luftiges, veganes, wobei sie natürlich nicht übertrieben doll arbeiten muss, dass faule Teil. Hat sie sich gedacht. Deswegen sollten Lebern nicht denken.
Die Leber meiner Tochter hat sich nach zwei bis drei Käsescheiben mit dem Magen zusammengetan, und sie bat um Auszeit. Mein Göttergatte hat sich als Veganer natürlich von Käse ferngehalten, um der Swissness halber trank er Kirsch zu den Kartoffeln.
Also hab ich mich um den restlichen Käse gekümmert.
Meine Galle scheint nicht anwesend zu sein, mein Magen ballt sich zum Unspunnenstein. Mir ist nicht mal schlecht. Aber ich hab schrecklich Bauchschmerzen.
Nichtsdestotrotz, ein Raclette braucht ein Loblied, deswegen ist es etwas mehr Text geworden als nur Foodporn


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Veröffentlicht28/11/2017 von klinge in Kategorie "Geschichten", "Rezepte

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