April 10 2024

Was Frau darf, und was nicht

Im Herbst 2025 sind wieder Wahlen in Deutschland. Das bedeutet, dass sich wieder schnittige erfolgreiche Frauen, die in konservativen Parteien ihre Karriere planen, entblöden, zum Thema Schwangerschaftsabbruch keinen guten Punkt zu finden.

Ich bin beim besten Willen keine Feministin, im Gegenteil, mir geht diese Schubladendenke auf den Keks. Wir sind Menschen. Und zwar alle. Zur Unterstützung würde ich gerne Artikel 3 des Grundgesetzes hier einfügen:

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Eigentlich ist das einfach zu verstehen. Wir sind alle gleich vor dem Gesetz. Mein Bauch ist genauso uninteressant wie dein Bauch. Oder genau so öffentlich.

Wir können ja gerne weiterdenken. Ich kenne Euer Wertesystem jetzt ein wenig, meine lieben Konservativen. Ihr habt es gerne..ja, konservativ. Gerhard Polt brachte das unter „a bissl a Bia“ auf den Punkt. Mit dem Bier, da kommen dann die Kinder, die „nicht mehr neurotypisch“ sind, wie die aufgeklärte obere Mittelschicht das jetzt nennt. Bleiben wir bei den eigenen, selbstgemachten Kindern, von ebenjener oberen Mittelschicht. Ein Kind geplant durchzuziehen, dazu braucht man keinen Eheschein, aber es hilft. Steuerermässigung. Kindergeld, Elterngeld. Der Papa oder die Mama arbeiten teilweise im Büro, oder zuhause bei dem Kind, später dann Kindern, weil ohne Geschwister ist das nur mässig lustig, und passt nicht zu dem 08/15 Familienbild. Noch später ist dann KiTA, aber das lass ich jetzt mal aus. Das sind nicht die Menschen, die – und jetzt geht es wieder zurück zur CSU-Familienplanerin – abtreiben. Vielleicht war das Kind nicht geplant, vielleicht erschrickt das Paar etwas, streitet, und erst dann heiraten sie überglücklich. Vielleicht heiraten sie auch nicht. Das freut die CDU oder die CSU nicht, aber sie sind ja kulant. Solange nicht abgetrieben wird. Die obere Mittelschicht, sich gerne auch „progressiv“ und doch „heimatliebend“ nennend, sie brauen und trinken Craft-Bier und Met aus selbstgeimkerten Met.Diese Kinder bekommen, sollten sie irgendwelche bierbedingten psychischen und physischen Auffälligkeiten haben, mit grösserer Wahrscheinlichkeit die Zuwendung, die sie benötigen.

Diese obere Mittelschicht adoptiert auch mal. Man muss einiges beweisen, ehe ein Kind vom Jugendamt in Obhut übergeben wird.

Man fragt sich doch dann, woher diese Kinder kommen? Geklaut sind die nicht. Vermutlich weiss das Jugendamt ziemlich genau, wer die biologische Mutter/Eltern von dem Kind ist/sind. Diese Mütter sind oft sehr jung, und sehr verzweifelt. Vielleicht sind Drogen oder Alkohol ein regelmässiger Begleiter dieser Mütter. Oder sie wurden vergewaltigt. Oder, das musste ich mal miterleben, sehr krank (psychisch) und hatten sich extrem auf ihr erneutes Kind gefreut. Es wurde ihr nach der Geburt weggenommen. Angeblich, weil die sie behandelnde Ärztin es für sich behalten wollte, so sagte die Mutter des Neugeborenen. Auch solche Kinder wollen einen normalen Start in ihr Leben, und den erhalten sie nicht. Entweder weil sie nach der Geburt in eine Babyklappe geworfen werden, oder weil sie der Mutter weggenommen werden. Für das Kind ein furchtbarer Schock. Keine Woche alt, und schon das erste Trauma. Ein Trauma, wer das nicht wirklich weiss, ist auch der Ursprung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Nur für den Hinterkopf.

Verfolgen wir die Laufbahn von diesem hypothetischen Baby. Dieses Baby kommt in eine Einrichtung. Es wird versorgt, bekommt das nötigste, und früher oder später gibt es Eltern, die es aufziehen möchten. Es weint oft, weil es zum zweiten Mal in seinem Leben eine wichtige Bezugsperson verloren hat. Wenn es komplett im Heim aufwuchs, ist die Aussicht noch etwas trauriger.

Unser hypothetisches Baby hat ja jetzt Adoptiveltern. Die lieben es und herzen es. Es wird älter, es kommt zur Schule, fällt von mir aus auf, vielleicht auch nicht. Es wird ein Teenager. Es wird schwierig. Es zerstört Dinge. Es beginnt zu lügen, und es beginnt verbotene Dinge zu tun. Die Polizei beginnt sich für dieses Kind zu interessieren. Wir, die konservativen Eltern, die mal ein Kind adoptiert hatten, erinnern uns, das es nicht wirklich unser Kind ist. Vielleicht ist ein Aufenthalt im Heim besser? Unser Kind macht jetzt 3 Wochen Ferienaufenthalt im Heim. Es geht etwas zur Schule, es freundet sich mit den anderen Kids an. Gemeinsam betrinken sie sich vor dem Heim. Dazu rauchen sie jetzt legale Drogen. Vertrauen? Nie im Leben, das werden sie nicht mehr. Um wirklich ruhig sein zu können, dazu schneiden sie sich jetzt regelmässig die Arme oder die Beine auf. Wir, die besorgten Eltern, wir entscheiden uns, dass wir dem Kind ein Leben im Heim ermöglichen und an Ostern bekommt es ein Paket vom Osterhasen und an Weihnachten nehmen wir es nach Hause.

Die Zeit vergeht.

Vor einer Woche war unser Kind mal in einer Wohnung erwacht, keine Ahnung, wie es da reinkam, aber unser Kind war nackt und auch ziemlich betrunken. Später erfahren wir, dass dieses Kind ein Kind erwartet oder aber Vater wird, und Alimente bezahlen muss….Abtreiben geht nicht, weil da ist die CSU dagegen. Bezahlen geht auch nicht, da einfach auch kein Geld da ist.

Wir entschliessen uns für die Babyklappe, das hat ja damals auch ganz gut geklappt.

Wer sich jetzt fragt, warum nicht verhütet oder wie im Fall eines schwer kranken Menschen, sogar sterilisiert wird, oder dann abgetrieben, zum Beispiel die schwer kranke Frau, die Kinder haben will, zu Beginn der Geschichte…das geht einfach so eben nicht.

Historische Aspekte: Eugenik und Zwangssterilisation
Die detaillierten Reglementierungen in Deutschland müssen im Kontext der nationalsozialistischen Vergangenheit betrachtet werden und haben den Sinn, die Menschenwürde zu schützen und die Zahl nicht notwendiger Sterilisationen zu reduzieren.
Dtsch Arztebl 2008; 105(21): A 1131–3

Ich kann nachvollziehen, das man lieber einmal mehr kontrolliert, und sich absichert, gerade im Hinblick auf die Geschichte. Aber das Dasein als Gebärmaschine, das hat auch nichts mit Menschenwürde zu tun. Und ich glaube ehrlich nicht, das es schön ist, als Kind zu verstehen, das die biologischen Eltern nicht für einen Sorgen wollten? konnten? sollten?

Daher, sehr geehrte CDU/CSU, hört auf christlich rumzujaulen und versucht Euch in Nächstenliebe. Ermöglicht das abtreiben und verhindert sehr viel seelisches und in Folge auch physisches Leid.

Januar 7 2024

Die Dampfmaschine, ein Pfund Rinderhack, eine Hantel, eine Playstation und was Freud damit zu tun hat

Das gängige Modell des modernen Gehirns ist ja die „Festplatte“ auf dem „Programme“ laufen. In etwa. Kann man machen. Kann man sagen. Wir gehen bei diesem Modell davon aus, dass wir einen 08/15 Menschen zur Verfügung haben, mit einem 08/15-Gehirn. Eine schöne Analogie, ein kühles raspeln, ein paar mal Blinken, und dann läuft das Ding. 1 + 1 sind 2. Hurra! Freuds Dampfmaschine, mit dem ES, das Dinge will, unaussprechliche DINGE, vom Über-Ich nicht erlaubt, es zischt und sprudelt und dampft aus jeder düsteren Ecke des Verstandes (und anderen, klebrigen und unaussprechlichen Orten, wo man besser nicht zu genau hinsieht) , ist eben out. Das „Ich“ in der Mitte als Vermittler zwischen „Über-Ich“ und dem ES ist veraltet, es ist zu einfach, im Allgemeinen ist die Neurologie und die Psychologie einen Ticken komplexer als das Freud in seinem Modell vorgeschlagen hat. Meine Erzählung handelt jedoch von einem jungen, männlichen, nicht-neurotypischen Teenager, ich nenne ihn jetzt mal Adam. Adams Gehirn ist noch vom Dampfmaschinentyp. Sein ES will die üblichen Dinge, sein Über-Ich hat die meiste Zeit frei, und sein Ich will Playstation spielen. Daher hat sein Ich eigentlich freie Bahn, sein ES chattet über Playstation mit dem jeweiligen Ziel der Begierde.

Es war Sommer, es war heiss, und er war mit Playstation bei seiner Familie auf Familienbesuch. Ein Verwandter, der etwas vom „gamen“ versteht, wie es heisst, hat das Ding aufgeschraubt, wohl um die Playstation zu tunen. Man hat es mir nach seiner Rückkehr als Tuning erklärt. Da ich eine dumme alte Frau bin, die von Computern nichts versteht, erklärt man mir immer alles auch sehr genau, langsam und für Dummies. Nach dem Wieder-Verschliessen gab es dann so ein schleifendes Geräusch, irgendwie kratzend. Es klang nicht gut. Es half jedoch ne zeitlang, wenn man dann eine Hantel (2,5 Kilogramm) auf den Deckel gelegt hat. Dann hat das Geräusch aufgehört. Aber dann begann die Playstation, heiss zu werden. Wenn sie dann zu heiss war, hat sie aufgehört, zu funktionieren. Also musste man sie runterkühlen.

Vielleicht sollte man noch ergänzen, dass Adam sehr wenig isst. Wenn Adam also auftauchte, war es für uns Betreuer immer ne kleine Feier wert, wenn er etwas vom Kühlschrank wollte. Mal ein Eis, oder, noch besser, zwei Eis. So kam es, dass er ein Pfund tiefgekühltes Rinderhack wollte. Um Bulletten zu machen, meinte er. Da wir im Sommer auch gerne mal draussen grillen, dachte sich der Kollege auch erst mal nichts dabei. Wenn Adam ein Pfund TK-Rinderhack will, klingt das nicht nach etwas, das Adam so essen oder haben wollen würde. Das klingt eher nach: „Bitte geh schnell zum Kollegen und lass Dir ein Pfund Rinderhack bringen, wir machen für heute abend Bulletten“ So bekam Adam das Rinderhack. Als die Nachtwache dann nachts die Playstation haben wollte, da stiess sie auf ein geschmolzenes Pfund Rinderhack auf der Playstation. Das gab natürlich Ärger. Die Nachtwache wollte Fleisch und Playstation zurück, Adam wollte beides behalten, da er tagsüber zeitliche Ausfälle zu beklagen hatte, in der er nicht chatten konnte. Sein ES wollte mit der Königin des jeweiligen Games turteln – würden wir ihm das Fleisch und die Playstation wegnehmen, würden wir ihn von seinem sozialen Umfeld abschneiden.

Fazit für mich: Freuds Dampfmaschinenmodell mag etwas albern sein, aber es hat auch im Zeitalter von Festplatten und Programmen seine reizvollen Momente. Man sollte Dampfmaschinen aber auf alle Fälle von Hackfleisch und Playstations fernhalten.

Dezember 13 2023

TheEiofthecook

Der Titel ist mässig lustig, aber nach heute brauchte ich einen Schampus, der gar nicht mal so übel war, aber ich bin Anfänger in der Materie, also übt euch bitte in etwas Nachsicht. Der Schampus war halbtrockener Rotkäppchensekt, erhalten als Wichtelgeschenk von einer/m unbekannten KollegIN(auch wenn ich einen Verdacht habe, ja, Cordula! Danke im Nachhinein!) Es war ein anstrengender Tag. Der Beginn war zum Kotzen, mit Ausnahme des Kaffees und der kurzen Solidartitätsbekundung durch den den Chef, danke an dieser Stelle. Er ging anstrengend weiter und mündete bei dem Mittagessen, das uns allen ernstes so, wie fotografisch festgehalten, serviert wurde. Dazu gab es Trockenreis und Vollkornbaguette. Interessanterweise konnte ich beobachten, dass Menschen mit Punkervergangenheit oder einer Affinität zu Punk davon assen. Die anderen assen Brot/Panikreis mit Ketchup, Senf oder dänischer Sahnemajo mit Dill. Ihr fragt Euch jetzt sicher, was das sein könnte. Es ist keine Lasagne, keine Tomatensuppe und auch kein Huhn. Es ist pochiertes Ei, in Tomatensauce mit Peperonistückchen, wobei ich hoffe, dass die Eier nicht in der Tomatensauce pochiert wurde, auch wenn es die Fussel in der Sauce besser erklären würde.

Ich würde dem geneigten Leser des Kochblogs dazu empfehlen, „Eye of the Tiger“, gespielt von den Survivors, zu hören, und an Rocky zu denken.

Oktober 15 2023

Immer, wenn die taz nicht weiterweiss oder die instrumentalisierte Psychoanalyse

Ja, immer wenn die taz nicht weiterweiss, dann muss wieder jemand ins Bilderarchiv, und ein deutsches Konzentrationlager muss veröffentlicht werden. Es werden wieder die Leiden der abgeschlachteten Massen gezeigt, und wie unschlagbar furchtbar die Shoah war. Dabei wird vieldeutig nach Israel gedeutet, und diese letzte Barbarei der Terrororganisation Hamas. Es geht um den polemischen Satz: „Der Tod ist ein Meister aus Gaza“.

Natürlich wird auch festgehalten, dass Deutschland, quasi als Lehre, fest zu Israel und seinem tun steht. Und natürlich, damit Leser* auch von der Wissenschaftlichkeit und der Objektivität von der taz überzeugt ist, wird dann auch noch die Psychoanalyse an den Haaren herbeigezogen.

Abspalten und Projektion, wird hier genannt. Nun, sehen wir uns das genauer an. Das gehört zu den unreifen Abwehrmechanismen. Das bedeutet, dass man eigene Gefühle oder Motive einer anderen Person zuschreibt.

Eine Abwehr gibt es nur, wenn ein sogenannter Intrapsychischer, oft unbewusster Konflikt besteht. Ich denke, dieser Konflikt könnte in etwa so aussehen (das ist ein rein hypotetischer Konflikt):

Israel, das sind die Juden. Sie dürfen alles, weil sie die Shoah überlebten, sie haben bereits für alles im Voraus bezahlt. Sie können gar nichts Böses tun, denn sie haben die Shoah erlitten und überlebt. Mein Opa war ein richtiges Schwein, und die Oma, diese Nazibratze, lebt immer noch! Und das da, das sind die Kinder und Enkel von denen. Israel, das sind die Guten. Wir waren die Bösen, und wenn wir jetzt was sagen, dann sind wir wieder die Bösen. Andererseits sieht man, als normal denkender und fühlender Mensch, das da etwas echt nicht gut läuft. Ja, man möchte eigentlich sagen, dass das gar nicht geht. Aber das darf ich als Deutscher gar nicht, meine Schuld ist zu gross. Ich wäre dann so rechts wie die damals!

Der Theorie Freuds zufolge müssen diese unbewussten Konflikte aufgedeckt und bearbeitet werden, so dass ein reifere Abwehrform daraus entstehen kann.

Zurück zu der unreifen Abwehr, der Projektion: In diesem Fall spaltet man vermutlich die eigene Schuld am Tod von 6 Millionen Menschen ab und projeziert sie auf die Palästinenser. Was das mit den eigenen Gefühlen oder Motivationen zu tun hat, lässt die taz offen. Wenn wir also schon dabei sind, können wir alles durchexerzieren, einfach weil es so schön ist, damit Freud in Ruhe weiterruhen kann.

Verleugnung ist auch so ein unreifer Abwehrmechanismus. Es ist die Weigerung, die schmerzhafte Realität zur Kenntnis zu nehmen. Zum Beispiel, dass Israel aktuell eine sehr rechte Führung hat, welche die Palästinenser unterdrückt und einen Pfifferling auf GG eins hält: hier zur Vereinfachung noch eingefügt:

(1) 1Die Würde des Menschen ist unantastbar. 2Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt

Man verleugnet die Tatsache, dass Israel wie Nazideutschland (und all diese anderen EU-Aussengrenze-ratifizierenden Staaten) auch, sich nämlich einen Scheiss um die Würde eines jeden Menschen kümmert. Das machen viele Staaten, aber wenn Israel das tut, dann schmerzt das, und in Deutschland wird es einfach verleugnet. Wer es trotzdem sieht und das auch sagt, der wird dann Opfer von der Verschiebung.

Verschiebung ist die unangemessene Übertragung von Gefühlen von einer Person auf die Andere. Wenn ich also sage, dass das, was Israel schon sehr lange tut, eine menschenverachtende Schweinerei ist, dann werde ich garantiert in kürzester Zeit als Antisemit diffamiert. Was ich nicht bin. Und ich zweifle angeblich das Existenzrecht von Israel an. Was ich nicht mache. Aber in der Verschiebung kann man die eigene Wut (bei Freud auch gerne mal „unakzeptable Gefühle“), die man bei sich selbst nicht zulassen kann, weil man Deutscher ist und damit eine Riesenschuld aufgeladen hat, auf jemand Anderen übertragen.

Vermeidung, auch so ein unreifer Abwehrmechanismus. Vermeidung bedeutet, dass man einer Herausforderung aus dem Weg geht. Zum Beispiel dass man als Journalist sagt: „Hey, das geht gar nicht, was die da machen!“ Oder als deutscher Politiker: „Zivilisten und die Infrastruktur werden einfach nicht bombardiert! Wenn das so weitergeht, bekommst Du keine Waffen mehr!!“.

Liebe taz, bitte lasst doch Freud in Ruhe. Freud war Neurologe und damit Mediziner und Psychoanalytiker. Oder seid konsequent. Wenn ihr wen zum Therapeuten schickt, dann rechnet damit, dass es erst eine Diagnostik gibt. Diagnostik macht man nicht mehr nach Freud, soweit es die Psyche betrifft. Ich nehme hier die 7 Kriterien nach Butcher (2008). Butcher beschränkte sich jedoch auf Menschen, möchte ich hinzufügen. Schicken wir Israel zum Therapeuten, machen wir zuvor eine schöne Diagnostik:

  1. Leidensdruck oder Behinderung: Die zu betrachtende Person, empfindet persönlichen Leidensdruck oder funktionale Einschränkungen in psychischer Hinsicht, die eine Verschlechterung des physischen Zustandes hervorruft. Für Israel ist ein Krieg sicher eine Leid oder eine Behinderung, für die Bewohner ebenfalls, ob nun Hamasmitglied oder nicht.
  2. Fehlanpassungen: Die zu betrachtende Person verhält sich so, dass sie das Erreichen eigener Ziele verhindert, sich nicht um das eigene Wohlbefinden kümmert, oder andere vom Erreichen ihrer Ziele abhält oder den Bedürfnissen der Gesellschaft nicht gerecht wird. Da kann man sicher auch „das normale Alltagsleben“ von der Bevölkerung Israels zuzählen. Ein Krieg ist keine Lösung. Gewisse Wirtschaftszweige werden am Stock gehen, zum Beispiel der Tourismus.
  3. Irrationalität: Eine Person redet oder verhält sich derart, dass es anderen irrsinnig oder unverständlich erscheint. Die Unterdrückung der Palästinenser halte ich für irrational.
  4. Unberechenbarkeit: Eine Person verhält sich sprunghaft und unberechenbar, wechselhaft von Situation zu Situation, als hätte sie keine Kontrolle über ihr Verhalten. Nun, ich gebe zu, ich war schockiert über den Überfall der Hamas. Was ich auch schockierend fand, war, dass ich einen Tag später statt Werbung Kriegspropaganda der Israelis erhielt. In den Pausen meines online-Spiels. Sie warben mit Bildern von 9/11, Al-Quaida-Anschlag. Diese Leichenfleddererei war sehr unerwartet.
  5. Aussergewöhnlichkeit und statistische Seltenheit. Eine Person zeigt Verhaltensweisen, die statistisch selten vorkommen und die sozialen Standards dessen, was normal ist, verletzen. In die Luft schiessen ist auch für Palästinenser normal und schön laut, Menschen zu töten wird üblicherweise nicht gutgeheissen.
  6. Unbehagen bei Beobachtern: Ja, da sind wir wieder bei den Schweinereien. Man sieht lieber nicht so genau hin, weil man Angst oder Unbehagen vor dem hat, was man möglicherweise sehen würde.
  7. Verletzung moralischer und gesellschaftlicher Normen. Blutvergiessen wird im Buch Bereschit, dem 1. Buch Mose erwähnt: G´tt verurteilt Kain, nachdem der Abel tötete und teilt ihm mit: „die Stimme des Blutes Deines Bruders schreit zu mir von der Erde (4,10)“. Das 6. Gebot Mose ist auch im Judentum, dass man nicht töten soll. Rabbi Hillel hält es mit „liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“, und das wiederum fasst die Thora zusammen. Ich gehe davon aus, dass Juden der ganzen Welt nicht einverstanden sind mit diesem riesigen, ungerechten Blutvergiessen, dass in Israel gerade passiert. Verursacht durch die Hamas, aber auch durch die Seite Israels. Da sich Israel als jüdischer Staat versteht, nehem ich hier die Thora als Norm.

So, ich hoffe, taz, dass Du Dir ne andere Wissenschaft suchst, um Deinen (verzeih meine Offenheit) teilweise eher minderwertigen Journalismus aufzupolieren. Du kannst stattdessen versuchen, mit liberalen, mit unreligiösen, mit orthodoxen oder mit konservativen deutschen Juden zu sprechen. Mit palästinensischen oder jüdischen Israelis. Mit Zionisten. Mit Noam Chomsky. Wenn die Reise nach Israel zu teuer oder zu gefährlich ist, findest Du die alle auch in Deutschland, Europa oder Amerika. Du kannst vermutlich Zoom-Sitzungen machen. Versuch mal, die deutschen Leser aufzuklären, dass Juden nicht automatisch Pro-Israel sein müssen. Das Juden, Israel und Zionismus drei verschiedene Dinge sind, die nicht unbedingt eine Schnittmenge haben müssen. Dass Juden, die gegen dieses Blutvergiessen sind, nicht automatisch Feinde Israels sind. Das ist Propaganda eines sehr rechten Staates.

Das wäre mal eine Aufgabe für Euch.

Oktober 14 2023

Shopping, eine Site namens Etsy und allerlei Kram

Mir ist langweilig. Draussen pfeift der Wind, der Regen peitscht von allen Seiten auf die Fenster. Die Heizung läuft auf Halbmast und ich habe kalte Füsse. Heute brauche ich etwas Buntes. Erst sehe ich mir, unter mehreren Bettdecken vergraben, verschiedenste online-Sites von Modehäusern an. Ich bin wild entschlossen, eines Tages den rauchigen Blick dieser Models zu lernen. Ich wäre, glaube ich, unendlich verwirrt, würde ich von irgendwem so angesehen werden. Oder ich würde den versteckten Alarmknopf drücken, in der Hoffnung, dass die Security dann auch rechtzeitig kommt und mich rettet, ehe es zu spät ist. Nichtsdesto trotz werde ich das eines Tages aus geschminkten, geschwärzten Waschbärinenaugen rauchige Blicke in einer polierten Bar verteilen und dabei mit sinnlich geöffneten Lippen…ja, was zu tun? Models streichen hier im Normalfall mit ihren Händen über sündhaft teure Beinkleider. Das finde ich jedoch albern. Das wäre mir dann doch zu peinlich. Ich stelle fest: mein Erfahrungshorizont ist hier wohl zu Ende. Ich beende die online-Streiftour durch südeuropäische Modehäuser und wechsle zu Etsy. Wer Etsy nicht kennt, sollte es sich unbedingt ansehen. Es ist, wie mir meine Nachbarin vor Jahren mal erklärt hat, der online-Handel der Kunsthandwerker. Sie sagte das ernst, ohne Gänsefüsschen um die Kunst. Ich habe auch keine Probleme damit, in anderen Leuten Kunsthandwerker zu sehen. Sie sind alleweil besser in ihrer Kunst als ich. Oh, ich kann stricken, häkeln und nähen. Das sieht sogar gut aus. Aber. Eine Masche die Stunde, und die Zunge macht sich dabei selbstständig. Missus Bean. Ich hab innerhalb von 5 Minuten jedoch furchtbare Krämpfe in Händen und Rücken. Deswegen überlasse ich das gerne mit Handkuss anderen.
Also, Etsy. Es ist immer etwas schwierig für mich, da einzusteigen. Ich bin auch ein Snob. Im Sinne von: Kunsthandwerkermarkt? Okay. Kunst kommt von können, ich gehe davon aus, dass Du kannst. Das respektiere ich.Das erste, was mir entgegenflattert, ist immer ein selbst geschnitzten Etwas. Dieses Mal war es vermutlich eine Kuh. Darunter stand in etwa: PFERD STARKES TIER. Ich nenne das den Solitär-Moment. Der Moment, wo ich das Elend beende, um Solitär zu spielen. Kann ich den überwinden, dann hilft es oft, den Eingang über „Hüte“ oder „Accessoires“ oder „Taschen“ zu finden. Da hat es dann immer sehr witzige und auch schöne Modelle seiner oder ihrer Art. Es hat aber auch wirklich befremdliche Dinge. Wie zum Beispiel eine formal unspektakuläre Krokodilledertasche, was für sich schon unnötig ist, und ja, ich dachte auch, Krokoleder sei in Europa verboten. Geschmückt war das Krokotäschchen mit einem ausgestopften Babykrokodil. Das ist einfach nur noch bizarr. Im Zuge von „Vintage“ ist offenbar mehr möglich. Das Krokodil war ebenfalls „Vintage“. Glasperlen sind auch oft Vintage. Irgendwo las ich dann noch die Definition von Vintage. Das ist vor 2000! Stellt Euch vor!! Ich hab mich natürlich in dem Moment nicht nur Vintage, sonder ausgesprochen alt gefühlt. Mein sehnen drehte sich nicht mehr um Alpakasocken, sondern um Wollsocken. Nun wollte ich nur noch das Fenster schliessen, da fand ich, was ich mir mal kaufen wollte, endlich, nach langer Zeit: dieses abgefahrenen Handtäschen, aus Glitzerkrams, Strass und jede Menge Vintage. Wenn man dann in Gefahr gerät, tatsächlich sowas Hübschen kaufen zu wollen, hilft es, die Bewertungen zu lesen. Da stand dann tatsächlich: „Es sieht so teuer aus! Ich liebe es!“ Ich machte mir einen Tee mit Milch und Honig, und dachte, ich erzähl das Euch.

Juli 26 2023

Das geht mich ja alles gar nichts an….

Hört frau in letzter Zeit öfters. Was denn? Queere Menschen gehen mich nichts an, höre ich immer wieder. Und das, meine lieben Mitmenschen, stimmt so nicht. Wie soll ich anfangen? Ich höre das oben gesagte immer wieder von meinen sozial engagierten Mitarbeiter*innen. Unsere von uns betreuten Geflüchteten sind männlichen Geschlechts, grösstenteils – das liegt aber eher daran, dass Mädchen in vielen Kulturen nicht so wahnsinnig viel wert sind und das Mädchen meistens schlechter oder gar nicht schwimmen können, und damit schon gar nicht erst in Europa ankommen. Wir haben sehr viele Jungs aus dem (geografisch) asiatischen Raum.

Ich schreibe hier von einem Jungen, der wie viele andere auch ankam, der sich orientierte, auch bei Gleichaltrigen, welche die selbe Sprache sprechen. Sie durchlaufen alle das selbe Procedere durch die deutsche Bürokratie. Die Jungs wirken etwas deplaziert, viele „Prinzen“ und möglicherweise „Stammhalter“ aus ihren Heimatländern, nette, begabte und kluge Söhne mit gelegentlichen Mackermomenten, geschickt von liebevollen, stolzen und besorgten Eltern. Und, was viele der Jungs auch sind: sie sind nicht heterosexuell. Überlegt Euch mal den Stress: einerseits glücklich die Taliban oder Boko Haram oder IS oder weiss der Geier was überlebt. Dann kommt man in einer äußerst freizügigen Gesellschaft an. Das ist super interessant. Und dann hat es da Jungs, nette Jungs, und es funkt. Doch wirklich kennen tut man ja nur die eigene Gesellschaft. Die eigene Gesellschaft verurteilt queere Lebensweisen. Und damit ist man selbst verurteilt. Dabei möchte man doch nur leben und glücklich sein.

Aber, verdammt noch eins: die Pubertät ist doch genau dazu da. Um Dinge auszuprobieren. Sich selbst entdecken. Sexualität ist ja nicht nur verdammenswert oder entdeckenswert, je nachdem, es ist vor allem auch ein wichtiger Teil der Identität.

Jetzt komme ich wieder zu dem Jungen zurück. Er hat es zugegeben. Er hatte sein Coming-out. Er hat einen Freund (von ausserhalb des Wohnheims, den er uns auch vorgestellt hat) und er lebt den Jungs eine wohl sehr glückliche homosexuelle Paarbeziehung vor. Etwa eine Woche lang hat es gekracht im Gebälk des Wohnheims, es gab (auch konstruktive) Diskussionen über das für und wider von nicht heterosexuellen Paarbeziehungen, intensive, lange Gänge in die Moschee und lange Gespräche mit dem Imam, aber auch lange Gespräche mit mir. Ich bin richtig stolz auf den Jungen, denn er hat eine wichtige Vorreiterrolle (die Ritzerei hat endlich aufgehört, zumindestens bei den Geflüchteten). Der Blitz hat nicht eingeschlagen, und dieser Junge ist auch nicht abartig oder irgendwie anders geworden. Er ist noch immer der selbe, nur gelöster und glücklicher. Nach all den Gesprächen, mit den Jungs alleine oder als Gruppe, sind sie zu der Einsicht gelangt, dass es wichtiger ist, dass sie als Gruppe zusammengehören – als junge Geflüchtete, als Muslime (Allah wird sich schon was dazu gedacht haben), aber vor allem als Gruppe, die nun versucht, sich zu integrieren. Kein Stress mit der Sexualität, und wenn sie für die Kartoffeln  wieder mal eine richtig scharfe Sauce wollen, bestellen sie bei Klinge Hardcoresauce. Ist ja nicht alles schlecht aus dem Herkunftsland 🙂

Es ist unsere Aufgabe, die queeren Menschen aus Gottesstaaten zu unterstützen, und Ihnen den wirklich guten Ansatz, der in den westlichen Demokratien gesetzlich vorgeschrieben ist, vorzuleben. Dann kann Integration auch gelingen. Von wegen, das geht mich ja alles gar nichts an….

Juli 22 2023

Das Moor im Juli

Ja, das Moor. Erinnert ihr Euch and die kleine Mini-Schlange? Das Kreuzötterchen? Sie ist gewachsen!!

Das Moor wirkt glücklich. Es ist bei oberflächlicher Betrachtung nur feuchte Wiese, die grünt und blüht. Die meisten Seen von dem wirklich vielen Regen sind weg. Die Tafeln mit den lehrreichen Texten wurden überwuchert. Jede Menge Viecher. Für ein Moor, das erst wieder renaturiert werden musste, ist das, glaube ich, eine Erfolgsstory.

Warum die Wanderer, Naturfotografen und sonstigen Besucher des Moors immer ihre Zigaretten wegschmeissen, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Nikotin ist ein starkes Bienengift.

Mai 13 2023

Was tun wenn der erste Brand durch ist? Glasieren und nochmals brennen lassen!

Man kann einiges behaupten, aber ich kann nicht sagen, dass meine Eltern Kunstbanausen sind.

Das hat einiges an Vorteilen und zwei Nachteile: ich beginne mal damit; ich hab einen sehr teuren Geschmack, und wenn ich mich selbst an „Kunst“ versuche, ist mein innerer Kritiker unbarmherzig. Warum tu ich das? Zum Ausgleich, einfach weil es Spass macht.

Mein Flirt mit Acrylfarben ist durch, ebenso mein Flirt mit dem E-Bass (den zu spielen einfach nur wegen des gebrochenen Handgelenks längerfristig wehgetan hat), zumal sich „La Peste“ 2 Tage (und vor allem zwei ausschlaggebende, schicksalshafte Nächte) nach der Gründung wegen bandinternen Männergeschichten hochdramtatisch wieder aufgelöst hatte. Ich würde ja noch gerne Tenorsaxophon ausprobieren, aber das scheint immer noch nicht in Sichtweite zu sein.Ich habe mich da mit einem jungen hoffnungsvollen angehenden Punkbassisten zusammengetan. Er bekam meinen Bass, und ich bekomme dafür ein (Tenor)sax seiner Wahl. Alles für kein Geld, denn das ist ja eher selten in der Szene. Irgendwie ist noch kein Opa gestorben, daher warte immer noch. Kein Problem, die Welt ist gross genug, sie hat viel zu bieten, also versuche ich es mit kneten von Ton, mit Kuchenteigstecher und Zeug. Zu meiner Überraschung gelingen mir zwei Vasen relativ gut, die Idee ist geklaut. Diese Vasen sehen einer Vase meiner Mutter relativ ähnlich; wir sahen sie kurz nach der Kreidezeit, in meiner Kindheit,  in einer Galerie. Die Vase meiner Mutter ist in der Raku-Technik gebrannt. Meine sind nicht so hoch wie die aus meiner Kindheit, dafür auch etwas breiter. Mit den Proportionen bin ich zufrieden, und sie haben, damit man es auch sieht, das das Vasen sein sollen, Tonrosen an der Sollbruchstelle. Die schlanke, höhere Vase bekam 1 Rose, die kleine, dickere Vase 3 Rosen.

 

Dazu hab ich eine „ländliche“ Vase gebastelt, die eher aussieht wie eine „abverreckter“ („misslungen“ für deutsche Leser) Milchkrug. Für den Blumenstrauss aus Löwenzahn und Lungenkraut. Sehr bodenständig, 4 Kilo, geschätzt.

Da man Ton nur in der 10 Kilo-Tüte kaufen kann, bin ich gefordert. Ich versuchte es noch mit 2 Übertöpfen, da habe ich den Ton  mit dem Nudelholz ausgewallt und (zeitlich hintereindander) über einen sehr luftleeren alten Ball meiner Tochter gestülpt und gewartet hab, bis das Ding „lederhart“ war. Mit etwas Gewalt oder Nachdruck hingestellt, wurde der Boden dann auch noch gerade.

Dann waren noch gefühlt weitere 5 Kilo Ton da. Meine zugegeben etwas peinliche Lösung war dann zwei ziemlich gleich aussehende Keramikseifenschalen (mit Zierschnecken) und eine Anzuchtschale für Bohnensprossen- oder Kressegedöns. Die Röschen auf der Anzuchtschale sehen aus, als sei Ihnen während dem Trocknen schlecht geworden. Naja, das nächste Mal setze ich die oben an, vielleicht sieht das dann besser aus. Ich bin noch Anfähngerin.

Das wollte ich so gleich aussehend, damit ich die Wirkung von verschiedenen Glasuren ausprobieren kann. Der restliche Ton wurde ebenfalls dieser Art ausgewallt, aber über eine umgestülpte grosse Pfanne gelegt. Als das alles lederhart war (das dauert ungefähr 3 Stunden, kann man aber auch mit einem Haarföhn beschleunigen) hab ich es mit Weihnachtskeksförmchen bearbeitet. Ich werde das orange Glasieren, dann kann Halloween kommen! Da drin haben viele Kerzen Platz. Leider sind mir da ein paar Dekorationen abgefallen, nachdem es getrocknet war, auf dem Weg zum brennen.

Update: Es hatte bei dem Hobbygeschäft, wo ich den Ton kaufe (ja, erneute 10 Kilo), auch Glasuren. Ich habe mir jetzt verschiedene Glasuren und auch sogenannte Engoben gekauft, damit kann man ungebrannten Ton bearbeiten. Mach ich auch noch, zeige ich Euch dann später. Diese Tonwaren hier, die sind nun gebrannt (und auch nicht mehr so wahnsinnig schwer). Dennoch vermute ich, dass das Lichtdings zu Boden fällt, ehe es nochmals glasiert werden kann…ich hab da ein ganz schlechtes Gefühl. ^^Der nächste Schritt ist schleifen und glasieren, wieder trocknen lassen, und dann zum brennen bringen.

Früher oder später werde ich mich um einen Ofen bemühen müssen, aber laut Internet ist eine gute Belüftung wirklich wichtig, da beim Brennprozess wohl auch toxische/kanzerogene Gase entstehen können. Das bedeutet, dass ich damit wohl noch warten muss, bis sich Wohnungsmässig bei uns etwas ändert.

April 30 2023

Im Moor

Hallo, Familienausflug im Moor…doch eigentlich wollte ich nur die Bilder sprechen lassen

Da hat es natürlich auch Bewohner. Die jüngste Bewohnerin war diese Kreuzotter

Die kleine war gerade mal doppelt so gross ein Teelöffel. Ich hoffe, die Greifvögel, die am Himmel kreisen, übersehen sie. Eine Piepskugel haben wir auch entdeckt, ich tippe auf Schafstelze. Noch nie gesehen, aber laut meinem heissgeliebten Vogelbestimmungsbuch passt zumindest der Ort zum brüten.

und noch etwas naher

Auf dem Nachhauseweg dann sahen wir noch einer Kröte beim Sonnenbad zu.

 

 

 

 

März 27 2023

Die Geschichte des Kreislaufs von Haschisch oder einfach nur: Entsetzen!

Ich schwöre, alles wahr! Mensch kann sich das gar nicht ausdenken. Dafür reicht meine Phantasie nicht aus. Ich muss anonymsieren, um meinem Arbeitsvertrag gerecht zu werden. Daher werde ich die Jugendlichen mit A, B, C etcetera in der Reihenfolge ihres Auftretens bezeichnen, um den Interessierten das Lesen zu erleichtern.
A durfte über das Wochenende bei seinen Pflegeeltern sein. Das machte mich froh und glücklich, denn A hat keinen guten Einfluss auf andere Jugendliche, hier B, C, und D. Meine Fachmeinung zu A ist: ich halte A für extremst idiotisch. A hält sich selbst für einen supa gefährlichen Gangsta. Mein Chef hält A für ein Pubertier. In As Abwesenheit schrie sein Wecker um Aufmerksamkeit. Ich war mit meinem neuen Kollegen auf dem Gang und dachte, um die Nerven der anderen Jugendlichen zu schonen, schalte ich den Wecker aus, auch wenn A noch bei seinen Eltern ist. Mir ist die Privatsphäre der Kiddies heilig, und ich hatte einen Kollegen dabei, der schlimmstenfalls bezeugen kann, dass ich bloss den Wecker ausgeschaltet hab. Ich öffnete die Tür. A hatte innerhalb seines Zimmers die Tür zum Klo offengelassen, so dass man die zugekackte Schüssel, die kaputte Wartungskachel der Dusche mitsamt der ungeschickt versteckten Packung getrockneter Kräuter in der Dusche sehen konnte. Ich schaltete den Wecker aus und fotografierte die defekte Dusche. Mein Kollege hat gespült, eine heroische Tat, für die ich äusserst dankbar bin, und zu der ich in dem im Moment nicht fähig war. Mein Chef hat dann die Fotos gesehen, und hat eine „Ansage“ geplant, auch in Anwesenheit des alten Herrn von A. A hat mehrere eher teure Hobbies, und ist sich ein Lebensstandart gewohnt, der ein Jugendamt nun einfach nicht bieten kann. Ausserdem ist er ja auch ein „Gangsta“, und damit schon sehr gefährlich, nicht zu vergessen. Es deutete alles auf Verkauf von Cannabis hin. Nur – es roch eindeutig nach Oregano. Nebst den Exkrementen in der Schüssel, die auch schon mehrere Tag vor sich hinmüffelten, war die Oreganonote eindeutig. Auch fanden wir Haare, die als mögliche Zutat für die mögliche morphologische Strukturen von den nachzubildenden halluzinogenen Naturprodukten hinwiesen. Es war unglaubliche widerlich.

A trifft mit Vater und Oma ein. Der Vater schämt sich, Oma putzt weg. A verschwindet zwischenzeitlich.

Meine Theorie war, dass er aus der (gewässerten) Scheisse, Oregano und Haaren „potentes“ Gras knetet und verkauft. Mein Chef war unnachgiebig: An welchen Deppen er dann verkaufen will? Kleine Kinder, die auch mal Zigaretten kaufen wollen? Neinnein, kann nicht sein. So blöd ist niemand. Mein anderer Kollege, der unsere Kiddies schon länger kennt, meint, dass so ne Qualitätsprüfung üblicherweise auf der Strasse nicht stattfindet. Und ja, kann schon sein, dass er genau das tut. An dieser Stelle tritt B und und E auf. E wird gerade bedroht, B will unbedingt mit E „an die frische Luft“. Das heisst in diesem Fall: Sie wollen sich irgendwelche legalen oder illegalen Drogen kaufen. B ist Cannabiskunde, gerne, viel, ja. E hat zuviel Schiss und steht unter Druck. B rennt raus, trifft den Dealer. Ich kann nichts tun, und kanns auch nicht ändern. 

Dass A der Dealer ist, sehe ich erst, als A mit B zusammen eintrifft. A strahlt zufrieden, B grinst in sich hinein. Die doofen Betreuer ausgetrickst, wieder mal.

Warum meine Theorie stimmt? Das Scheisscannabis (die Wortwahl drängte sich mir auf, Verzeihung) hat nicht gewirkt.