Juli 26 2023

Das geht mich ja alles gar nichts an….

Hört frau in letzter Zeit öfters. Was denn? Queere Menschen gehen mich nichts an, höre ich immer wieder. Und das, meine lieben Mitmenschen, stimmt so nicht. Wie soll ich anfangen? Ich höre das oben gesagte immer wieder von meinen sozial engagierten Mitarbeiter*innen. Unsere von uns betreuten Geflüchteten sind männlichen Geschlechts, grösstenteils – das liegt aber eher daran, dass Mädchen in vielen Kulturen nicht so wahnsinnig viel wert sind und das Mädchen meistens schlechter oder gar nicht schwimmen können, und damit schon gar nicht erst in Europa ankommen. Wir haben sehr viele Jungs aus dem (geografisch) asiatischen Raum.

Ich schreibe hier von einem Jungen, der wie viele andere auch ankam, der sich orientierte, auch bei Gleichaltrigen, welche die selbe Sprache sprechen. Sie durchlaufen alle das selbe Procedere durch die deutsche Bürokratie. Die Jungs wirken etwas deplaziert, viele „Prinzen“ und möglicherweise „Stammhalter“ aus ihren Heimatländern, nette, begabte und kluge Söhne mit gelegentlichen Mackermomenten, geschickt von liebevollen, stolzen und besorgten Eltern. Und, was viele der Jungs auch sind: sie sind nicht heterosexuell. Überlegt Euch mal den Stress: einerseits glücklich die Taliban oder Boko Haram oder IS oder weiss der Geier was überlebt. Dann kommt man in einer äußerst freizügigen Gesellschaft an. Das ist super interessant. Und dann hat es da Jungs, nette Jungs, und es funkt. Doch wirklich kennen tut man ja nur die eigene Gesellschaft. Die eigene Gesellschaft verurteilt queere Lebensweisen. Und damit ist man selbst verurteilt. Dabei möchte man doch nur leben und glücklich sein.

Aber, verdammt noch eins: die Pubertät ist doch genau dazu da. Um Dinge auszuprobieren. Sich selbst entdecken. Sexualität ist ja nicht nur verdammenswert oder entdeckenswert, je nachdem, es ist vor allem auch ein wichtiger Teil der Identität.

Jetzt komme ich wieder zu dem Jungen zurück. Er hat es zugegeben. Er hatte sein Coming-out. Er hat einen Freund (von ausserhalb des Wohnheims, den er uns auch vorgestellt hat) und er lebt den Jungs eine wohl sehr glückliche homosexuelle Paarbeziehung vor. Etwa eine Woche lang hat es gekracht im Gebälk des Wohnheims, es gab (auch konstruktive) Diskussionen über das für und wider von nicht heterosexuellen Paarbeziehungen, intensive, lange Gänge in die Moschee und lange Gespräche mit dem Imam, aber auch lange Gespräche mit mir. Ich bin richtig stolz auf den Jungen, denn er hat eine wichtige Vorreiterrolle (die Ritzerei hat endlich aufgehört, zumindestens bei den Geflüchteten). Der Blitz hat nicht eingeschlagen, und dieser Junge ist auch nicht abartig oder irgendwie anders geworden. Er ist noch immer der selbe, nur gelöster und glücklicher. Nach all den Gesprächen, mit den Jungs alleine oder als Gruppe, sind sie zu der Einsicht gelangt, dass es wichtiger ist, dass sie als Gruppe zusammengehören – als junge Geflüchtete, als Muslime (Allah wird sich schon was dazu gedacht haben), aber vor allem als Gruppe, die nun versucht, sich zu integrieren. Kein Stress mit der Sexualität, und wenn sie für die Kartoffeln  wieder mal eine richtig scharfe Sauce wollen, bestellen sie bei Klinge Hardcoresauce. Ist ja nicht alles schlecht aus dem Herkunftsland 🙂

Es ist unsere Aufgabe, die queeren Menschen aus Gottesstaaten zu unterstützen, und Ihnen den wirklich guten Ansatz, der in den westlichen Demokratien gesetzlich vorgeschrieben ist, vorzuleben. Dann kann Integration auch gelingen. Von wegen, das geht mich ja alles gar nichts an….

Februar 19 2023

Dada ad absurdum oder Logiken, die ermöglichen, dass Energien sich sträuben

Naja, so schlimm war es nicht. Kennst Du das? Du erfährst gerade was „bahnbrechend“ Neues, eine Erkenntnis, die youtube oder sonst so ein Kanal extra für Dich aus dem Netz gerülpst hat, zu Deinem Besten wurde es nochmals durch einen Teenager gespült, der Dir die Zusammenhänge sorgfältig erklärt, weil ich bin mit meinen fünfzig Jahren ja auch kurz vor der Demenz, und damit froh, wenn mir geholfen wird, beim Zusammenhänge verstehen. Meine Teenies, mit denen ich mich zu Arbeitszeiten umgebe, sind teilweise sogenannte „Schulverweigerer“. Das heisst nicht gezwungenermassen, dass sie dumm sein müssen. Die klügeren Exemplare beginnen sich zuhause zu langweilen. Sie beginnen zu surfen. Und damit sind sie gefundenes Fressen für die gruslige Welt von Verschwörungstheoretikern, die dann auch noch dazu tendieren, rechtsextrem zu sein. Gespräche mit solchen Inhalten beginnen immer gleich:  „Es könnte doch sein, dass….“. Mein Antwort ist immer etwas enttäuschend…“Nein, das kann nicht sein.“ Oder „Gibt es nicht Energien, die….“ – „Nee, es gibt nur eine Energie. Das ist eine Zahl, eine Einheit, die gemessen wird in Kalorie oder Joule. Es wird eine Kalorie oder 4 Joule benötigt, um einen Liter Wasser um einen Grad Celsius zu erwärmen.“ Wenn ich diese verschwörungstheoretischen Grundlagen für viel Angst und zukünftiger Glaube an flache Erden abgeschmettert habe, kommt dann noch die Logik dran…Solche Sätze beginnen dann oft mit: „Es ist nicht logisch, dass…“ oder „Es gibt verschiedene Logiken, die…“ Meine fade, unglamouröse Antwort ist dann: Logik ist ein Teilgebiet der Wissenschaft, und genau umrissen. Du kannst nicht irgendwelche diffuse Logiken benutzen.“ Heute war die Frage, ob mein Physiker und Göttergatte schon Forschungen oder Entdeckungen gemacht hatte, die irgendwie versteckt oder verboten wurden. Meine Antwort hat den Peak der Langeweile erreicht, in dem ich ihr sagte, dass die Forschung durch die öffentliche Hand bezahlt wird, und dadurch der Öffentlichkeit gehört. Dementsprechend kann man das alles lesen, wenn man das auch möchte.

Dennoch hat unser pseudowissenschaftlicher Diskurs heute einen neuen Tiefpunkt erreicht. Sie fragte mich, was ich für ein Sternzeichen bin. Meine Antwort wurde nicht gross beantwortet. Was mich dann neugierig machte, schliesslich ist die obligate Antwort zu Sternzeichen immer, ob man selbst irgendwie mit dieser Person harmonieren kann oder nicht.  Ich hakte nach. Sie druckste rum, es gäbe so eine Weiterentwicklung des Horoskops, das angepasst sei, an die richtige Zeit. Ich war neugierig, da sie ein Foto in dem Handy hatte. Es war eine schwarze Sonne, in die Tierkreiszeichen eingemalt waren. Ich brummelte ein „Hmmm, interessant, und was ist das denn so? Kennst Du dieses Symbol?“ Sie sah mich verblüfft an, und meinte, nein, bis vor kurzem kannte ich das nicht. Was das denn sei? „Nazikackscheiss, und ich möchte sowas hier eigentlich nicht haben. Finde ich aber interessant, das die Nazis die schwarze Sonne so versuchen zu legitimieren.“ Sie war schockiert, und googelte. Wurde auch fündig. Es wurde dann eine kurze Geschichtsstunde zu schwarzer Sonne, Wewelsburg, Nazikackgrössen und ihre Rolle im Krieg. Sie schmiss das Horoskop weg, so hoffe ich wenigstens.

 

Februar 7 2023

Jugendarbeit, Heimkinder und die Liebe

Ich arbeite in einem Haus, das sich für den Jugendschutz einsetzt. Was heisst das? Ich habe UMFs, und § 41a, 42 SGB VIII. Löst das bei Euch ein allgemeines Gefühl von HÄH? aus? Ging mir auch so. Das heisst, das wir uns um unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (die so toll abekürzt sind) und uns um Inobhutnahmen von Jugendämtern kümmern. Ich dachte, die Geflüchteten würden mehr Probleme haben – Flucht, Misshandlungen aller Art, Kriegserlebnisse. Aber das ist nicht so. Die einen haben ihre Religion, die anderen haben ein Ziel: Wenn sie schon wegmussten, weil das die Mutti so wollte, als sie von der Schule nach Hause kamen, dann wollen sie auch alles richtig machen: Schule, Karriere, Ehrgeiz und Arbeit. Ich habe von diesen Zeugnissen, die diese Kinder mit nach Hause bringen, einfach nur geträumt.

Ich will über die europäischen Kiddies schreiben. Allesamt hatten in ihrem Lebenslauf eine „Bodenwelle“, die sie vom Kurs brachten. Verrückterweise, um jetzt die Metapher weiterzuverwenden, sind diese Bodenwellen nie selbstverschuldet.

So ist jedes unserer Kinder entweder Opfer von politischen Fehlentscheidungen oder aber, Opfer der eigenen biologischen Eltern. Die wenigsten haben Kontakt zu den biologischen Eltern, da das Jugendamt diesen Kontakt verboten hat, da die biologischen Eltern nicht fähig (das hat jetzt nichts mit Finanzierung zu tun) oder willens sind, für die Kinder zu sorgen. So sind sie bei Zieheltern grossgeworden, „bis es nicht mehr ging“. Dann ging der Tanz um passende Heim los. Aktuell sind wir für die meisten unserer Kinder das passende Heim.

Mein Feind Nummer 1 sind Drogen, allen voran der Alkohol. Aber auch andere Drogen, und den Kampf um die Zigaretten habe ich verloren. Ich würde ihnen gerne die Liebe und Wärme geben, die sie brauchen, aber das kann ich nicht. Da würde ich meine Distanz verlieren. Das geht allen Betreuern so, und deshalb hat jeder seine „Favoriten“, für die sie zuständig sind. Da sind sie die Betreuer. Für diese Kinder rennt man einen Ticken weiter als man muss. Dadurch ist die Liebe etwas legitimer.

Der Alkohol und die Drogen geben die benötigte Wärme. Das kostet aber eine Menge. Also verkauft man etwas, um genügend Geld zu haben. Bestenfalls verkauft man Dinge, die einem nicht gehören, wird erwischt und kommt für ein paar Tage ins Gefängnis, um da zu bemerken, dass es gar nicht so toll ist da, und dass man das in Zukunft doch anders machen möchte, auch wenn es schwierig ist, der Weg da hin. Das ist der beste Fall. Der schlechteste Fall ist, dass man den Krempel, den man klaut, auch behält, die Sozialstunden leistet, und den Körper verkauft. Das gibt auch die nötige Motivation, sich komplett zuzudröhnen. Irgendwann kommt man dann von einer „Party“ frühmorgens zurück, komplett seltsam und breit und betrunken, und weiss nichts mehr von der Party. Es stellt sich heraus, dass am Knöchel Einstichstellen sind. Da ich weiss, dass diese Person Heroin nicht (mehr) anrührt, weil ihr als Kind mal richtig übel davon wurde, kann ich nur vermuten, was da lief. Da wir unsere Kiddies nicht einsperren dürfen, weil wir kein Gefängnis sind, hoffen wir jeden Abend erneut, dass unsere Kiddies die Nacht überleben, und nichts allzu wertvolles Klauen, so dass sie bei einem netten Richter mit ein paar Sozialstunden davonkommen.

Doch was, wenn diese Kinder Liebe erfahren hätten? Ich bin überzeugt, dann hätten wir diese „wärmende“ Drogenproblematik nicht.

Langer Rede, kurzer Sinn:

Liebt Eure Blagen, auch wenn sie Euch jetzt gerade komplett nerven. Irgendwann kommt das zurück. Säuft nicht, kifft nicht, nehmt keine Drogen, wenn ihr schwanger seid, Eure Embryonen und Föten haben keine Leber, die können das nicht verarbeiten, und Alkohol ist ein Nervengift, will heissen, das zukünftige Gehirn nimmt sehr viel Schaden. Überlegt Euch, wenn ihr ein Kind adoptiert, oder in Pflege nehmt, ob ihr den zukünftigen beziehungstraumatisierten Teenager auch wirklich lieben könnt, mit Eurem ganzen Herzen, oder ob ihr ihn „abschiebt“ in ein Heim, „weil es einfach nicht mehr geht“.

 

 

Oktober 27 2022

Risiken und Nebenwirkungen

Kiffen geht jetzt bald, habe ich gehört. Es hängt noch n komplizierten Rattenschwanz dran, 20 Gramm, aber nur, wer erwachsen ist, undsoweiter.

Ich oute mich mal als Nichtkiffer, beziehungsweise hab mal probiert, aber irgendwie hats nicht wirklich gewirkt. Ich kam ins plaudern, aber das kann ich auch so. Fand ich insgesamt total enttäuschend. Ich oute mich auch als jemand, der das Gehirn als Wunderwerk der Natur betrachtet, und jeden der das nicht als das würdigen kann, was es ist, nämlich als ein Geniestreich der Evolution…nun, ich beäuge diese Personen zumindest misstrauisch.

Es gibt eine Reihe von Papers, welche die Harmlosigkeit von Haschisch belegen kann, Quellen dazu gibts in jedem Kifferforum, das etwas auf sich hält. Es gibt eine Reihe von Papers, welche die Schädlichkeit von Cannabis belegen kann, auch die kann man finden, wenn man möchte.

Ich kann in meinem digitalen sozialen Netzwerk mit grossen Augen von meinem letzten klinischen Erlebnis mit Drogenpsychosen berichten. Aber man wird mich 100%-ig aufklären, dass ich irre, und vermutlich war es schlechtes Gras, und die Person hat das nicht vertragen, und, und, und. Und vermutlich war noch etwas Kokain und MDMA im Patienten drin, und dann weiss man eh nicht, was jetzt genau die Psychose ausgelöst hat, ja vermutlich etwas anderes, Hanf ist ja „sanft“. Alkohol ist sowieso schlimmer, was ja auch stimmt.

„Man“ weiss, Hanf hilft. Hanf ist vermutlich das Kraut, das gegen alles gewachsen ist.

Hanf hilft bei Krebs. Stimmt, und Eibe hilft auch, Eibe hilft vermutlich sogar stärker. Trotzdem nehme ich kein Eibengift zu mir, es sei denn, ich hätte tatsächlich Krebs. Ich stehe auf Weidenrinde bei Kopfschmerzen. Aber dazu warte ich, bis ich Kopfschmerzen habe. Ist der Schmerz derber, zum Beispiel bei einem gequetschten Brustwirbel, dann helfen auch der Saft des Schlafmohns. Ganz geil kommt das dann auch in Kombination mit Pink Floyds „Shine on you Crazy Diamond Part I-V“. Man vergisst, dass man überhaupt einen Rücken hat. Solche Dinge nehme ich nur gegen ärztliches Rezept, von der Versicherung bezahlt.

Ihr ahnt, worauf ich hinaus will: Ich finde, man sollte diese Pflanze nicht nur als Rauschmittel betrachten, sondern als ein Heilmittel, wenn man es auch tatsächlich braucht. Wie die Eibe, der Fingerhut und der Schlafmohn. Aber ich weiss auch, dass es hoffnungslos ist, gegen den Konsum von so lockenden und süchtigmachenden Stoffen anzuschreiben.

Also werde ich damit Geld verdienen. Ich mache ein Formular, anwendbar für alle Kliniken in Deutschland.

Fixierung-für-Dummies-und-Psychonauten(1)

 

Fixierungen, so sieht es der Gesetzgeber vor, sind das letzte Mittel. Sie sind auch in Kliniken unbeliebt und belastend für diejenigen, die sie ausführen müssen. In der Regel wird man vor der Fixierung vom (halluzinierenden, psychotischen) Patienten als Faschist beschimpft und angespukt, geschlagen, gekratzt, getreten, beleidigt. Fixierte dürfen, so will es der Gesetzgeber weiter, nicht alleine sein, zu ihrer eigenen Sicherheit. Also lässt man die Studenten bei den Fixierten (Studenten, so der Grundtenor, finden das interessanter als die FSJ-ler). Es geht oft sehr schnell, bis der Patient herausfindet, dass der Student ihm jetzt den Schwanz anfassen könnte, oder ähnlich geile Spielchen. Die psychotischen Mädels schreien oft und mal rum, dass man sie vergwaltigen wird. Die Angst ist echt. Es sind Horrortrips, für alle Beteiligten.

Oft bekommen sie auch antipsychotische Medikation, das hilft dann auch beim Einschlafen, und/oder krasse, ganz und gar unsanfte Benzodiazepine, die helfen beim runterkommen und ruhig werden. Dagegen kann und darf man sich auch wehren. Patienten vergessen jedoch leider gerne, dass Ärzte grundsätzlich Menschen gerne haben und ihnen auch helfen wollen.

Ich glaube den psychotischen Patienten gerne, das es ihnen nach dem erwachen furchtbar peinlich ist, was sie da alles gesagt hatten. Mich ärgert nur, dass sie immer und immer wieder experimentieren. Reale Gefahren der Giftstoffe abschwächen, und relativieren. Ärzte, Psychologen und Krankenhauspersonal als bestenfalls altmodisch und konservativ, im schlechtesten Fall als faschistoid abstempeln. Wobei das Krankenhauspersonal noch den „Arbeiterschutz“ und Applaus geniessen kann, bei den geneigten Psychonauten.

Merkt man, das mich die Diskussion angkotzt? Zerstört Euer Gehirn, macht nur. Wir machen dann zusammen Übungen. Ich werktags bis um 17:00 Uhr, ihr immer wieder, aufs Neue. Neuronale Trampelpfade knüpfen, falls es doch noch irgendwelche Gedanken hat, die von A nach B huschen wollen, damit sie auf einzelnen Hängebrücken über den Wasserpfützen des zerstörten Gehirns doch noch Wege finden, am Ziel anzukommen.

Wer sich eine Demenz ankifft, naja, der hat dann eine Demenz. Auch das bedeutet Psychosen, aber dann aus anderen Gründen. Inhibitorische Zellen, solche, die (auch unangenehmes) Unterdrücken, werden abgebaut. Also können Angstzustände, die in Euch aufkommen, nicht mehr unterdrückt werden. Ihr werdet psychotisch. Natürlich gibt es auch da Medikamente. Aber die Lebenserwartung ist nicht mehr so doll, und die Lebensqualität ist scheisse. Ihr beginnt Euch an längst vergangene Horrortrips zu erinnern, weil die inhibitorischen Zellen weg sind. Deshalb , so heisst es auch, herrscht in deutschen Altenheimen Krieg. Zum Glück (für die Betroffenen Patienten) sind viele tatsächlich so alt, dass sie mittlererweile endlich sterben konnten. Ich hab schon furchtbare Szenen gesehen, weil der Patient nicht mehr unterdrücken konnte.

Ich schweife ab…geniesst Euer Gras, wie ein Glas Wein, am Geburtstag. Wenn es denn sein muss.

 

 

August 12 2022

Resümee

Nicht dass ihr mich jetzt falsch versteht – hier kommt nichts Sinnreiches.

Ich bin faul. Ich turne nicht gerne. Wer aber ein Kind hat, der muss ins MuKi oder, viel moderner, Eltern-Kind-Turnen. Ich hab das vor gefühlt 100 Jahren getan, um diese berühmt-berüchtigten Kontakte zu knüpfen, und um mein Kind mit anderen Kindern spielen zu sehen. Wir waren 4 Muttis. 3 Muttis hatten für ihr Kind ihre Karriere als Supermodel aufgegeben, und der Kugelpunk. Die Models hatten Söhne, ich hab ne Tochter. Wir turnten. Ich hatte einen roten Kopf. Die Models hatten Eleganz. Ich habe es gehasst. Und dann hatte eine davon eine Idee – spielerisch! Sie kaufte eine von diesen Ausziehrohren aus Papier in der IKEA, schön bunt. Die Mamis krochen mit ihrer Brut da durch, und das schnellste Team gewann. Es war mein persönliches Vietnam. Ich blieb da drin irgendwie stecken, und kochte vor Zorn, die Models kicherten und halfen. Ich begann an diesem Tag zu verstehen, warum man Ohren abschnitt und aufhängen muss.

Irgendwann hatten wir auch dieses (Larven)stadium erfolgreich hinter uns gelassen, und meine Tochter ging in die Spielgruppe, die Vorform des Kindergartens. Die Ausdrücke wurden etwas derber, die Landjugend hatte teilweise ältere Geschwister, und dann drehte sich ein Streit zwischen mir und meiner Töchtin darum, ob sie nach dem Sandmännchen auf KiKa noch wachbleiben sollte oder nicht. Ich fand nicht, schliesslich war das der Deal am TV gucken. Sie fand schon. Sie hatte an diesem Tag Spielgruppe und war müde, aber wollte umsverrecken nicht ins Bett. Sie betitelte mich mit einem extrem schlimmen Schimpfwort, und sah mich gespannt an. Ich war baff. Dann atmete ich durch, und fragte sie sehr ruhig, ob sie denn eigentlich genau wisse, was das bedeute, was sie da eben gesagt habe? Sie wurde unruhig, und murmelte dann, das sie eine Vermutung habe. Diese Vermutung erwies sich als falsch. Ich liess sie jedoch im Ungewissen und sagte nur, dass ich das nie wieder hören wolle. Das hat geklappt.

In der Unterstufe hatte sie einen Freund, der mit ihr gelegentlich spielte. Irgendwann beschlossen die beiden, zu heiraten, und fragten mich, ob das für mich in Ordnung sei. Ich meinte: „Wenn ihr Euch ganz sicher seid, dann ist heiraten ne tolle Idee.“ Kurz darauf hatten Sie Streit. Ich hörte meine Tochter sagen: „Wenn du mir nicht so-ffffort meine Polly Pockets gibst, wird das nichts mit heiraten!“. Ich mischte mich nicht ein.

Irgendwann zogen wir nach Berlin um. Die Landjugendumgebung wurde eingetauscht gegen ein aufregende, aber gelegentlich für alle Beteiligten anstrengende Stadt. Die Einschulung bestand aus Zeugnisnoten umrechnen, was ein Amt tut, und von der Schulsekretärin verordnete Gang zum Schularzt, der unsere Tochter entlausen sollte, und impfen, weil sie aus dem Süden kommt. Der arme Kerl starb beinahe vor Scham, als er den Brief gelesen hatte. Nach einem halben Jahr musste sie die Schule wieder wechseln. Es war  eine neue Schule mit sehr vielen neuen Freunden und Freundinnen, und ein paar alten, verbliebenen Freunden, die ebenfalls an die neue Schule wechselten.

Einmal hatte die Tochter statt Turnen Tanzen, und tanzte dabei mit einem (gutaussehenden) Schulkollegen, der eine Freundin hatte. Diese Freundin war eine „Prinzessin“ eines Clans. Sie war sauer und eifersüchtig, und zischte meiner Tochter zu, dass sie (also die Prinzessin) zusieht, dass meine Tochter ihres Lebens nicht mehr froh wird. Und löste dadurch einen SEK Einsatz aus. Der Göttergatte erhielt ein Telefon (Hier ist die Polizei, ihrer Tochter gehts gut), und ich musste sie von der Schule abholen. Sie war aufgelöst und alleine mit zwei grimmigen Superbullen im Schulzimmer.

Was will ich damit sagen? Meine Tochter zieht aus, und ich bin sehr stolz, dass sie diesen Schritt tut. Eltern sollten die Zeit mit ihren Kindern geniessen, auch wenn sie gelegentlich etwas schwierig sein kann. Vergesst nie, dass sie Euch mehr brauchen als ihr sie, beschützt sie, solange sie das wollen und brauchen, und lasst sie fliegen, wenn sie fliegen möchten.

 

Februar 11 2022

Poison, ihr wisst schon, Alice Cooper, oder Genderideen sind noch nicht ganz tot

Irgendwann muss ich mir das auch noch von der Seele schreiben.

Poison – running deep inside my veins….

Ich steh total auf dieses Wrack. Alice Cooper. Irgendwie ist der echt geblieben. Wie auch immer. Mein Göttergatte ist ja Informatiker und Informatiker arbeiten in Firmen, und Firmen machen irgendwann ein Event. Sie kommen dann auf die Idee, dass Partnery auch mitkommen dürfen. Witzigerweise kommt dann immer eine Programmiererin auf die lustige Idee, ne Discokugel aufzuhängen. Und Glitzermikros auszuhändigen, und dann darf man da die Lieblingslieder mit seinem Star mitsingen. Einmal den Glamour spüren. Die 5 Minuten Berühmtheit.

Und wer schon mal an Büroparties war, weiss, dass das erst funktioniert, wenn schon n paar Bier unten sind. Männlich Sozialisierte versuchen sich mit „Paranoid“, Enden muss es mit Bob Dylan, mit etwas Glück kommt noch Bryan Adams, dazwischen noch etwas „we are the world“, beginnen tun immer die Mädchen, weil Mädchen besser und lieber singen. Und ihr das besser könnt. Was singen wir also?   Wir quäkten „Dancing Queen“, wir fühlten die Liebe mit Donna Summer (Itsogooditsogoodusoweiter), wir waren auch mal wild, und wollten n bisschen Spass, so wie Cyndi. L’Isla Bonita sangen wir, betörten die Informatiker mit unserer und Madonnas Eleganz und  technischen Perfektion, sie in ihren Turnschuhen und schlabbrigen Hemden. Wenn ihr Euch jetzt fragt – ich fuhr lange Strecken mit dem Auto mit. Und ich verbrachte meine Nachmittage vor den „Marantz“ Musikboxen meiner Eltern und hörte SWR 3 Popshop mit Frank Laufenberg. Daher kann ich also Mainstreamscheiss bis 1973. Dann fanden die Mädels, dass sich mein Musikgeschmack vermutlich nicht auf yt-Karaoke findet.  Aber ich sagte dann, dass ich Alice Cooper ganz überzeugend nachmachen kann. Inklusive Blicke und Stock in den Boden knallen, aber das wussten die Mädels nicht. Sie wussten auch nicht, wer das ist. Die Jungs waren neugierig. Monkeymind bestellte sich ein Bier.

Naja, was soll ich sagen. Ich mimte Alice; ich suchte mir aus dem Haufen der Frauen ein passendes Lustobjekt aus (dummerweise die Frau vom Chef, woher soll ich das wissen!) Sie war schockiert. Sie fand den Text ganz furchtbar. Und offenbar konnte sie auch englisch.  Irgendwie war dann der Karaoketeil durch, „Paranoid“ und gut wars….warum ich und Alice immer der Partyschreck sind, weiss ich nicht, ich vermute jedoch, dass es mit der kapputten Rollenvorstellung zu tun hat. Die Musik für Mädchen ist lieb, schön, glücklich, etwas rebellisch und harmonisch. Musik für Jungs ist wild, hat blue-notes, ist auch rebellisch, und gelegentlich gewalttätig. Ich plane, „Melody“ zu singen, an der nächsten Büroparty. Joan Jett kann ich nicht entweihen…sie sollte nicht auf Büropartys gesungen werden. Habt ihr noch andere Ideen?

 

Januar 30 2022

Spaltung ist…

ich sitze am Küchentisch und starre nach draussen. Eigentlich sollte ich lesen.

Spaltung ist, wenn Teil-Selbst-Objekt-Beziehungs-Dyade…

…ich betrachte meinen Brillenrand, von innen. Also ich betrachte meine Brille auf meiner Nase von Innen.Wenn ich dann weitersehe, kommt etwa 30 Zentimeter nichts, und dann kommt der tote Basilikum. Er scheint auf der Fensterbank zu atmen, etwas verwischt. Wenn man den Blick weiterschweifen lässt, zwanzig, dreissig Meter, sieht man die oberen Äste eines mächtigen Baumes, wie er im windgeschützen Hinterhofpark seine winterlichen Äste gen Himmel hält. Er bewegt sich im Wind. In dem leeren Raum zwischen Basilikum und Ästen hats gelegentlich Vögel, die durchfliegen, unbestimmbare dunkle Flecken, zu schnell für dieses eher langsame, beinahe träge Bild. Bei näherer Betrachtung stimmt diese Beschreibung auch nicht. Der Baum bewegt sich fast etwas stereotyp, während das Haus im Hintergrund wie ein Schiff im Sturm schwankt. Meine Augen beginnen zu tränen.

Was war da nochmals mit dieser Spaltung gemeint?