August 12 2022

Resümee

Nicht dass ihr mich jetzt falsch versteht – hier kommt nichts Sinnreiches.

Ich bin faul. Ich turne nicht gerne. Wer aber ein Kind hat, der muss ins MuKi oder, viel moderner, Eltern-Kind-Turnen. Ich hab das vor gefühlt 100 Jahren getan, um diese berühmt-berüchtigten Kontakte zu knüpfen, und um mein Kind mit anderen Kindern spielen zu sehen. Wir waren 4 Muttis. 3 Muttis hatten für ihr Kind ihre Karriere als Supermodel aufgegeben, und der Kugelpunk. Die Models hatten Söhne, ich hab ne Tochter. Wir turnten. Ich hatte einen roten Kopf. Die Models hatten Eleganz. Ich habe es gehasst. Und dann hatte eine davon eine Idee – spielerisch! Sie kaufte eine von diesen Ausziehrohren aus Papier in der IKEA, schön bunt. Die Mamis krochen mit ihrer Brut da durch, und das schnellste Team gewann. Es war mein persönliches Vietnam. Ich blieb da drin irgendwie stecken, und kochte vor Zorn, die Models kicherten und halfen. Ich begann an diesem Tag zu verstehen, warum man Ohren abschnitt und aufhängen muss.

Irgendwann hatten wir auch dieses (Larven)stadium erfolgreich hinter uns gelassen, und meine Tochter ging in die Spielgruppe, die Vorform des Kindergartens. Die Ausdrücke wurden etwas derber, die Landjugend hatte teilweise ältere Geschwister, und dann drehte sich ein Streit zwischen mir und meiner Töchtin darum, ob sie nach dem Sandmännchen auf KiKa noch wachbleiben sollte oder nicht. Ich fand nicht, schliesslich war das der Deal am TV gucken. Sie fand schon. Sie hatte an diesem Tag Spielgruppe und war müde, aber wollte umsverrecken nicht ins Bett. Sie betitelte mich mit einem extrem schlimmen Schimpfwort, und sah mich gespannt an. Ich war baff. Dann atmete ich durch, und fragte sie sehr ruhig, ob sie denn eigentlich genau wisse, was das bedeute, was sie da eben gesagt habe? Sie wurde unruhig, und murmelte dann, das sie eine Vermutung habe. Diese Vermutung erwies sich als falsch. Ich liess sie jedoch im Ungewissen und sagte nur, dass ich das nie wieder hören wolle. Das hat geklappt.

In der Unterstufe hatte sie einen Freund, der mit ihr gelegentlich spielte. Irgendwann beschlossen die beiden, zu heiraten, und fragten mich, ob das für mich in Ordnung sei. Ich meinte: „Wenn ihr Euch ganz sicher seid, dann ist heiraten ne tolle Idee.“ Kurz darauf hatten Sie Streit. Ich hörte meine Tochter sagen: „Wenn du mir nicht so-ffffort meine Polly Pockets gibst, wird das nichts mit heiraten!“. Ich mischte mich nicht ein.

Irgendwann zogen wir nach Berlin um. Die Landjugendumgebung wurde eingetauscht gegen ein aufregende, aber gelegentlich für alle Beteiligten anstrengende Stadt. Die Einschulung bestand aus Zeugnisnoten umrechnen, was ein Amt tut, und von der Schulsekretärin verordnete Gang zum Schularzt, der unsere Tochter entlausen sollte, und impfen, weil sie aus dem Süden kommt. Der arme Kerl starb beinahe vor Scham, als er den Brief gelesen hatte. Nach einem halben Jahr musste sie die Schule wieder wechseln. Es war  eine neue Schule mit sehr vielen neuen Freunden und Freundinnen, und ein paar alten, verbliebenen Freunden, die ebenfalls an die neue Schule wechselten.

Einmal hatte die Tochter statt Turnen Tanzen, und tanzte dabei mit einem (gutaussehenden) Schulkollegen, der eine Freundin hatte. Diese Freundin war eine „Prinzessin“ eines Clans. Sie war sauer und eifersüchtig, und zischte meiner Tochter zu, dass sie (also die Prinzessin) zusieht, dass meine Tochter ihres Lebens nicht mehr froh wird. Und löste dadurch einen SEK Einsatz aus. Der Göttergatte erhielt ein Telefon (Hier ist die Polizei, ihrer Tochter gehts gut), und ich musste sie von der Schule abholen. Sie war aufgelöst und alleine mit zwei grimmigen Superbullen im Schulzimmer.

Was will ich damit sagen? Meine Tochter zieht aus, und ich bin sehr stolz, dass sie diesen Schritt tut. Eltern sollten die Zeit mit ihren Kindern geniessen, auch wenn sie gelegentlich etwas schwierig sein kann. Vergesst nie, dass sie Euch mehr brauchen als ihr sie, beschützt sie, solange sie das wollen und brauchen, und lasst sie fliegen, wenn sie fliegen möchten.

 


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Veröffentlicht12/08/2022 von klinge in Kategorie "Geschichten", "Psychologie", "Uncategorized

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